Johanniterburg Kühndorf
Von Thüringer | 11.November 2009

In der Gemeinde Kühndorf, Landkreis Meiningen, befindet sich die einzig erhaltene Johanniterburg im deutschsprachigen Raum. Dem Besucher bietet sich heute ein idyllischer Renaissancebau, der trotz mehrmaliger Umbauten seinen mittelalterlichen Charakter nicht verloren hat. Das genaue Baujahr der Burg ist nicht überliefert, aber einst soll sich am Fuße des Dolmars ein Herrschaftssitz um 1150 befunden haben. Aus diesem Vorgängerbau wurde im Jahre 1315 vom Johanniterorden die eigentliche Burg errichtet.
Von den Herzögen von Sachsen und dem Grafen von Henneberg erfuhr die Burg um 1450 bis 1655 weitere bauliche Veränderungen. Die Umfassungsmauer der Hauptburg hatte ursprünglich fünf Wehrtürme, von denen allerdings nur noch zwei der Türme erhalten geblieben sind. Die beiden Burghöfe haben eine bedrückende Enge, alte Holzkonstruktionen von Treppen und Gängen sind typisch für die mittelalterliche Baukunst. Berühmt und gut erhalten ist in der Burg das sogenannte Gerichtszimmer mit Wandmalereien und einem original Richtklotz. Auf diesem sind noch deutliche Spuren von Beilhieben zu erkennen.
Ab 1590 ist die Johanniterburg Sitz des Kühndorfer Hochgerichts. Urkundlich sind hier letztmalig im Jahre 1660 Hexenprozesse durchgeführt worden, und unweit der Burg wurde eine imposant stehende Linde als Hexenlinde bekannt. Der Bau des unteren Berghofs wird als Back- und Sommerhaus bezeichnet, wo in unregelmäßigen Abständen Sonderausstellungen organisiert werden. Vom oberen Burghof gelangt man in die “Küche”, wo man eingehend mit der Geschichte und Gegenwart des Johanniterordens vertraut gemacht wird. Hier befinden sich auch eine Vielzahl von Dokumenten und Exponaten. Der Hof der Vorburg wird heute als Parkplatz genutzt und ist mit Wohnhäusern und Wirtschaftsgebäuden bebaut.

Die Hauptburg und die Vorburg sind vormals durch einen Graben und einer Zugbrücke getrennt gewesen. Nach verschiedenen Herrschaftswechseln wurde das Gericht von Kühndorf nach Suhl verlegt, und die Johanniterburg Kühndorf um 1835 verlassen. Ab diesem Zeitpunkt begann die Burg zu verfallen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kaufte ein Akademiker aus Jena die Burg und sie war bis 1945 in seinem Privatbesitz. Ab 1945 ging die Johanniterburg Kühndorf in Volkseigentum über. In der Anlage wurden nach dem 2. Weltkrieg obdachlose und bedürftige Familien untergebracht.
Im Jahre 1991 ist die Johanniterburg in Kühndorf bislang ein letztes mal privat gekauft, und Stückchen für Stückchen mühevoll wieder restauriert und bewohnbar gemacht worden. Die Burg ist mittlerweile so liebevoll hergerichtet, dass größere Feierlichkeiten oder Tagungen angemietet werden können. Außerdem befinden sich in der Anlage großzügige Ferienwohnungen. Besuchern ist heute gestattet, allerdings auf eigene Gefahr, die gesamte Burganlage eigenständig zu besichtigen. Am Eingang bekommt man beim Entrichten des Eintrittsgeldes auch einen Plan ausgehändigt, an dem man sich orientieren kann. Führungen sind nach Voranmeldung ebenfalls möglich. Die Johanniterburg in Kühndorf mit ihren Museumsräumen ist ganzjährig geöffnet, und ein Geheimtipp der Region Suhl Schmalkalden Meiningen.
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Beitrag aus: Schlösser und Burgen |
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